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Zeitgeist 1.0
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Abstract
Zeitgeist ist ein Analysemodell zur Eruierung aktueller Trend- und Neuwörter im deutschen Sprachraum und deren Bezug zu zeitlichen Grossereignissen anhand der Artikel deutschsprachiger Tages- und Wochenzeitungen im Internet.

Projekttitel
Zeitgeist 1.0

Autor
stefano.vannotti@hgkz.net


Projekt 1.0



What it is all about?
Beim vorliegenden Projekt handelt es sich um einer in einem gršsseren Themenkomplex eingegliederten Untersuchung, inwieweit die Entstehung aktueller Trend- und Neuwšrter bzw. deren Verschwinden den Zeitgeist einer Gesellschaft reflektieren kšnnen.


Fragestellungen und Thesen

# Der inflationäre Gebrauch von sogenannten Trendwörter ist ein Spiegelbild des Zustandes und der Veränderungen in der Gesellschaft

# Wie sieht das Profil eines potentiellen Trendwortes aus? Was sind dessen Qualitäten? Wie unterscheidet es sich von einem alltäglichen Begriff

# Was lässt sich über die Vergänglichkeit eines Trendwortes sagen?

# Wie eng sind Trendwörter mit Ereignissen verknüpft?

# Wie gut eignen sich Online Zeitungen als Quelle zur Eruierung von Trendwörtern?

# Welche künstlerischen Strategien lassen sich aus den gewonnen Erkenntnissen heraus entwickeln?


Ein Analysemodell
Im Vordergrund steht die Selektion von Worten im geschriebenen Sprachgebrauch, die zu plötzlicher Aktualität gelangen, deren Verwendungszusammenhang sich über die Zeit verändert haben oder die eine konträre Bedeutung angenommen haben.

Der inflationäre Gebrauch von Wörter ist bei dieser Untersuchung von grossem Interesse. Das Analysemodell Zeitgeist übernimmt dabei die Aufgabe, diese Wörter zu erkennen, Prozesse aufzuzeigen und Verknüpfungen erkennbar zu machen.

Verfolgt wird die Eigendynamik eines Wortes von seiner Entstehung bis zu seinem Verschwinden. Wer hat es "erfunden", wer hat ihm eine neue Bedeutung gegeben, wer und für welche Themenbereiche wird das Wort adaptiert oder gar zweckentfremdet? Wie ist die Terminologie des Wortes, welches Ereignis hat es in den alltäglichen Sprachgebrauch driften lassen?

Bedeutung der Medien
Über die Rolle der geschriebenen Medien auf dem Internet - die die Datenquelle für diese Untersuchung liefern - sollen ebenfalls Aussagen gemacht werden können. Wann wird ein Wort medial ausgereizt, in allen möglichen Zusammenhängen benutzt oder sogar so exzessiv gebraucht, dass ein Überdruss bei den Lesern provoziert, der ein Wort verschwinden lässt? Werden Worte heute grundsätzlich in kürzeren Zeitperioden intensiver benutzt und verschwinden dann nur, um gleich wieder mit neuere Bedeutung an anderem Ort zu erscheinen? Was sind die Möglichkeiten und Fähigkeiten der Medien in Bezug auf das Kreieren von Trendwörtern? Wo liegen die Mängel der Medien im Umgang mit Worten und wann bekommt die ganze Sache eine Eigendynamik, die bis zu Katastrophen führen kann?

Worthandel?
Steht uns die Kapitalisierung des Wortes kurz bevor? Gehen wir davon aus, dass sich in naher Zukunft potentielle Trendwörter schon in ihrem Anfangsstadium erkennen lassen. Was würde dies bedeuten? Könnte man dieses Wissen zu Geld machen oder könnte die so gewonnene Macht über ein Wort missbraucht werden? Nahe liegen würde in dieser Beziehung vor allem das Ausschlachten dieser "sexy" Wörter für Brands, trendy Werbekampagnen Domainregistierungen usw. Oder umgekehrt: Wie kann ich meine "verstaubte" Marke zu einem hypen Trendwort machen, mit unzähligen, positiven und modernen Konnotationen prägen und damit das Unterbewusstsein von Konsumenten manipulieren?

Erkenntnisinteresse
Wo liegen also die Stärken eines Analysemodells zur Eruierung von Trend- und Neuwörtern? Was lässt sich aus den gewonnen Daten herauslesen und wie kann man diese neugewonnen Erkenntnisse dazu nutzen, künstlerische Modelle zu entwickeln, die die oben erwähnten Fragen thematisieren oder eine überraschende, humoristische, subversive oder kritische Erweiterung bzw. Umdeutung dieser Thematik zum Ziel haben?

Projektphase 1.0
In einer ersten Phase geht es darum ein Analysemodell zu entwickeln, über das Trend- und Neuwörter bestimmt werden können. Was sind die Parameter, nach denen sich solche Wörter eruieren lassen? Wie können die gewonnen Daten auf eine einfache Art visualisiert werden: sprich Daten- und Informationsarchitektur?

Die Entwicklung der Applikation Zeitgeist 1.0 ist ein erster Schritt in diese Richtung. Anhand der Software Zeitgeist lassen sich Trendwörter d.h. der überdurchschnittliche Gebrauch von Wörtern erkennen und nach ihrer zeitlichen Veränderung in einer Karte visualisieren. Zeitgeist soll helfen, Prozesse bzw. Abhängigkeiten aufzuzeigen und verständlich zu vermitteln.

 
 

Software


Die Software Zeitgeist ist eine lokale Anwendung, die auf einer zweidimensionalen Visualisierung von Daten beruht.

Die Entwicklung dieser Applikation ist noch nicht abgeschlossen. Erst durch den Gebrauch werden Annahmen bestätigt oder verworfen. Notwendige Änderung werden direkt implementiert, neue Releases werden folgen.


Die Applikation Zeigeist

Das Interface von Zeitgeist besteht aus folgenden fŸnf Hauptbereichen:

# Wahlmšglichkeiten des Wortkorpora

# Wahlmšglichkeiten der Rubriken

# Visualisierungskarte

# Spezifische Suchfunktion

# Top 10 von Trendwšrtern und Events


Wortkorpora und Wahl der Rubriken

Über das Menu Wortkorpora lassen sich die Wortquelle auf bestimmten Zeitschriften eingrenzen. Als Korpora werden Wortdatenbanken bezeichnet, in denen Wörter des aktuellen Sprachgebrauchs gesammelt werden, dass sie nach ihrer Häufigkeit und ihrem Verwendungs-Zusammenhang, den Kollokatoren (Verwendungszusammenhang), unterschieden werden können.

Man hat die Möglichkeit alle deutschsprachigen Presse-Erzeugnisse auf dem Netz oder nur eine gewünschte Zeitung, nach Trend- und Neuwörtern zu durchsuchen. Zudem lassen sich auch die Suche in verschiedenen Rubriken definieren. Es gibt folgende Rubriken: Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport, Feuilleton, Vermischtes.

Visualisierungskarte
Die einzelnen Trendwörter werden in der Karte anhand eines Graphs visualisiert. Fährt man mit dem Mauszeiger über ein bestimmtes Wort, so lassen sich zahlreiche Tagesinformationen auslesen. So werden die Anzahl der überdurchschnittlichen Nennungen visualisiert und auch ihre Aufteilung pro Rubrik wird über Balkendiagramme und Prozentzahlen angezeigt.

Ein wichtiges Feature ist die Aktivierung einzelner Rubriken. Hiermit lassen sich - beim jeweils aktivierten Trendwort - ebenfalls über kleine, im Graph integrierten Balkendiagramme, die Nennungen pro Rubrik visualisieren. So kann man die Entwicklung eines bestimmten Wortes genauer analysieren: in welcher Rubrik es entstanden ist, wann ein Transfer in eine andere Rubrik stattgefunden hat oder in wie vielen Rubriken insgesamt, das Trendwort verwendet wird.

Doch nicht nur die Verknüpfung der Trendwörter zu den verschiedenen Rubriken wird visualisiert, sondern auch die Verbindung des Wortes zu jeweiligen Grossereignissen wird aufgezeigt. So lässt sich aus der Karte herauslesen, ob beim Transfer der Wörter von einer Rubrik in die andere, auch die direkte Verknüpfung zu einem Wort gekappt wird und plötzlich neue Events damit beschrieben werden. Dies würde wiederum die Vermutung bestätigen, dass das Wort durch eine bestimmten Anlass bereits so stark konnotiert ist, dass es sich auch in anderen Kontexten verwenden lässt, dass vom Leser ein gewisse Vorwissen voraussetzt. Kurz: das Wort hat eine Popularitätspunkt erreicht, an dem es sich weiterentwickeln kann.

Suchfunktion
Über die Suchfunktion kann man nach bestimmten Trendwörtern suchen und sich die Erwähnungen in den verschiedene Zeitungsberichten anzeigen lassen. Auf diese Weise hat man einen direkten Link zu den Online Zeitungen und kann das Wort im original Kontext sehen.

Top 10
Hier lassen sich die zehn erfolgreichsten Trendwörter und die Events mit den meisten Verknüpfungen aus einer Liste herauslesen. Die Wörter bzw. Events sind mit dem Graph in der Karte verbunden. So kann direkt über die Liste in die Visualisierungskarte wechseln und sich die Daten in grafischer Form ansehen.


Parameter


Um ein Trendwort zu eruieren werden bis dato in der Applikation Zeitgeist folgende Parameter gemessen:
# Die Anzahl überdurchschnittlicher Nennungen pro Tag

# Die Anzahl der Erwähnungen im Titel, Header oder Fliesstext

# Die Anzahl der Erwähnungen in verschiedenen Rubriken

# Die Verknüpfungen zu verschiedenen Events

# Die gesamte Zeitperiode seit Erkennung als Trendwort

# Der Neologismus Faktor des Wortes

# Die Anzahl der Nennungen in verschiedenen Zeitungen (u.a. geographischer Aspekt)
 
 

Download


Konzept
Zeitgeist 1. 0 [PDF]

Flash Demoversion
Zeitgeist 1.0 [.swf]


Recherche


Informationsvisualisierung

http://www.usableweb.com
collection of links about information architecture, human factors, user interface issues, and usable design specific to the World Wide Web

http://www.cybergeography.org

Visualising Information Spaces

http://www.cs.umd.edu/

University of Maryland, Interaction Computer Lab

http://sla.cw.net
http://www.skyscraper.org
http://www.webmap.com
http://www.historywired.si.edu
http://www.smartmoney.com http://www.visualinsights.com
Einige Beispiele fŸr gelungene Informationsvisualisierungen

Semantik/Linguistik

http://www.ifi.unizh.ch
Morphologieanalyse und Lexikonaufbau

http://www.ids-mannheim.de
Institut für Deutsche Sprache

http://www.gfds.de

Gesellschaft fŸr deutsche Sprache

http://www.pons.de
Wie kommen Wšrter ins Wšrterbuch?

http://www.theatlantic.com

A selection of terms that have newly been coined, that have recently acquired new currency, or that have taken on new meanings.

http://www.ifi.unizh.ch/CL
Computational Linguistics at the Universtiy of Zurich

http://www.linse.uni-essen.de

Links zur Computerlinguistik


Metaebene


Aufgabenstellung
Medien/Katastrophen - Media Blunders
Dozent: Ingo GŸnther

Inhalt: Medien sind einerseits durch ihre Fähigkeiten / Möglichkeiten definiert. Sie lassen sich aber auch negativ definieren im Sinne ihrer Mängel. Medieninstrumente /-komplexe werden auf ihre
Vermarktung zugeschnitten. Dabei geht oft einiges schief. Wir werden die Katastrophen fehlgeschlagener, fehlkalkulierter, unausgereifter, überreifer, implodierender, explodierender, falsch eingesetzter, schiefgegangener, ruinierter Medientechnologien und -konzepte beobachten und sezieren. Dazu gehören nicht nur technologische, sondern auch regulatorische, ökonomische und soziale Patzer.

Ziel des Projektes ist es, vor allem aber auch durch künstlerische Spekulation in der Lage zu sein,
sowohl unmögliche als auch praktikable Modelle zu rekonstruieren. Solche Modelle wären etwa: Die Modellierung von Katastrophen, Warnsystemen (Early Warning etc.) von Nuclear Early Warning bis Stock Exchange Trading inhibitors/limiters oder Katastrophen-Generators.

Projektanlage

Meine Semesterarbeit Zeitgeist positioniert sich in einem grösseren Themenkomplex. Ich bin auf der Suche nach alltäglichen Prozessen (in der Sprache, in der Stadt, in den Medien, im Netz), die unsere Gesellschaft repräsentieren. Diese Fragestellung hat sich meiner Meinung nach mit aufkommen ganz neuer Strategien - vor allem im virtuellen Raum - entscheidend geändert. Wir verarbeiten Daten (Informationen), generieren selber welche und finden immer seltener die Freiheit, uns aus diesem System rauszulösen und andere Standpunkte einzunehmen. Gerade die Beobachtungshaltung, das Analysieren und Reflektieren von Prozessen, würde uns aber neue Horizonte eröffnen.

Wo lassen sich demnach typische Strukturen unseres Verhaltens oder auch ganz allgemeiner Prozesse erkennen, was für ein Mehrwert hat eine genaue Analyse und welche neuen - künstlerischen und subversiven Ideen lassen sich daraus generieren. Und zu guter letzt, wie verhält es sich mit dem Rückfluss solcher neuen Ansätze in den beobachteten und analysierten Prozess?


Das Produkt

# Ausarbeitung einer Informationsarchitektur zur Verarbeitung der gewonnen Daten: Wie lassen sich möglichst viele Daten auf engem Raum (Computerbildschirm) visualisieren und lesbar machen. Wie können die Parameter, Funktionen und Visualisierung einer Software zur Analyse von Trend- und Neuwörtern gestaltet werden?

# Realisierung einer Demoversion von Zeitgeist, um die Abläufe und Funktionen aufzuzeigen.

# Dokumentation der Arbeit auf dem Netz - eben diese Website hier.


Ausblick
Ein Ziel in naher Zukunft wäre die Umsetzung des Konzepts Zeitgeist in einen funktionstüchtigen Prototypen (z.B. mit kleinerem Wortkorpora). Was lässt sich aus dem Experiment rauslesen? Bestätigen sich die Thesen, werden die Fragestellungen beantwortet und was lässt sich aus den gewonnen Daten genieren? Dabei wären positive als auch negative Szenarien zu begrüssen und würden reichlich Raum bieten, aufbauend auf Zeitgeist den von mir angestrebten Themenkomplex weiter zu verfolgen.

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Zeitgeist 1.0  
©left 21-02-2002
 
stefano.vannotti@hgkz.net